Die Chronologie der Chorleiter

 

1838

- 1850

Wilhelm Schrattenholz

1851 - 1865

Johann Peter Boquoi

1865 - 1882

Gottfried Boquoi I

1883 - 1885

Johann Reintgen

1886 - 1899

Josef Licharz

1900

- 1904

Peter Heinrich "Pette Hendrich" Schmitz

1905 - 1907

Theodor Kurscheid

1908

- 1920 Wilhelm Heß
1920 - 1921 Hasenberg
1922 - 1924

Gerharths

1924

Josef Keller

1924

Quadt

1924 - 1925

Gottfried Emans

1925 - 1928

Theodor Kurscheid

1.1.1929 - 1.3.1969

Willi Wessel

20.3.1969 - 15.11.1991

Dieter Friedrich

21.11.1991 - 31.8.1995

Werner Rondorf

1.9.1995 - 31.5.2003

Edgar Brenner

1.6.2003 - 31.5.2019

Wolfram Kastorp

1.6.2019 -   Valerij Kashlyaev

Dipl. Chorleiter Valerij Kashlyaev

Sein musikalischer Werdegang:

  • Ab dem 8. Lebensjahr, musikalische Ausbildung an der Moskauer Knabenchorschule.
  • 1983-1990 Studium Staatliches P.I.-Tschajkovskij-Konservatorium, Moskau Abteilung "Chordirigieren"
  • 1990-1997 Chorkunstakademie, Moskau Pädagoge: Chordirigieren, Solo- und Ensemblegesang, chorwissenschaftliche Disziplinen für Studierende mittlerer Stufe
  • 1997-2001 Kinderkunstschule, Moskau Chorleiter, Chorleiter des Jugendtheaters "Dali"
  • Konzerttätigkeit ab 1984 - zahlreiche Teilnahmen an Konzertprojekten im In- und Ausland als Sänger und Dirigent; Regent (Kantor) in den berühmten Kirchen Moskaus wie z. B. St. Daniil Kloster, Troitze Sergijeva Lavra (Dreifaltigkeits Kloster)
  • Arbeit für die russisch-orthodoxe Diözese in Deutschland und Kirchengemeinde in Köln
  • Als Chorleiter betreut er weitere Chöre:
    Liederkranz Bonn-Lengsdorf;
    Frauenchor; Epital- Chor Mühleip 1946 e.V. (Eitorf-Mühleip),
    Frauenchor Stromberg 1989 e.V. (Windeck),
    MGV Eichenkranz Stromberg 1907 e.V. (Windeck),
    Frauenchor ConcerTanten (Hennef-Allner),
    MGV Lebenslust 1868 e.V. (Sankt Augustin-Niederpleis),
    MGV Aegidius Hersel (Bornheim- Hersel),
    MGV „Eintracht 1886" (Asbach e.V.)

 

 

Vom 1.6.2003 - 31.5.2019:

Wolfram Kastorp (Wolfram im Web)

Portrait-Wolfram-23.02.2012

Chorleiter und Konzertsänger, wurde 1960 in Köln geboren, begann bereits mit 5 Jahren mit dem Klavierunterricht, sammelte früh erste Chor-Erfahrungen im Knabenchor von St. Pantaleon, sang später im Churcöllnischen Chor Bonn unter der Leitung von Prof. Heribert Beißel, sowie im Philharmonischen Chor Köln bei Prof. Horst Meinardus.

 

Er nahm ab 1995 bei dem Gesangspädagogen Eberhard Jansen Gesangsunterricht und begann seine Sängerlaufbahn als Solist 1996. Von 1999 an war er 4 Jahre Mitglied des Extrachores der Oper Bonn, anschließend 3 Jahre Ensemblemitglied der "Jungen Kammeroper Köln". Dort sang er die Rolle des "Vaters" aus der Märchenoper "Hänsel und Gretel", den "2.  Geharnischten" in Mozarts "Die Zauberflöte" sowie den "Komtur" aus "Don Giovanni" ebenfalls von Mozart.

Gastspielreisen führten ihn in die Chiesa di San Marco in Venedig ("Messias" von Händel), an die Staatsoper Kairo ("Carmina Burana" von Carl Orff und Beethovens 9. Sinfonie), nach Abu Dhabi zum Nationalfeiertag der Vereinigten Arabischen Emirate (gleiches Programm wie in Kairo), zu den Dresdner Musikfestspielen mit Rossinis "Barbier von Sevilla", zu den Salzburger Festspielen mit dem Verdi-Requiem und in viele andere Städte (Amsterdam, Paris, Nantes, Bilbao, Madrid, etc.).

Neben den zahlreichen Auftritten im Konzert- und Opernfach legt er bis heute stets Wert auf eine gute, kultivierte Gesangstechnik und starken Ausdruck. Aus diesem Grunde nahm und nimmt das "Lied" eine bedeutende Stellung in seinem künstlerischen Schaffen ein. Beispiel gebend sind zahlreiche Liederabende, wie im Belgischen Haus in Köln mit Werken von Schubert, Schumann, Brahms, Beethoven.

Daneben wirkte er an zahlreichen CD-Produktionen mit, meistens aufgenommen im Sendesaal des Deutschlandfunks, so z.B. das Mozart-Requiem, Brahms-Requiem, "La Passione" von Salieri, "Athalia" von Mendelssohn-Bartholdy, sowie erst vor kurzem die mit einem Echo-Klassik-Preis 2011 ausgezeichnete Aufnahme des "Elias" unter Leitung von Christoph Spering.

Seine Chorleiter-Tätigkeit begann er 1995 beim Quartettverein Bonn-Dottendorf und dem gemischten Singkreis der Stadtwerke Bonn. 1998 folgte der Liederkranz Kessenisch, und 2002 durch den Zusammenschluss der beiden Chöre die Eintracht Bonn-Kessenich.

2003 übernahm er die Leitung des Männerchors 1872 Birlinghoven, 2008 des Frauenchors FURORE Troisdorf 1948, 2012 der Chorgemeinschaft Mondorf/Rott und 2015 des Männerchors Friesdorf.

Aufgrund der starken Überalterung insbesondere der Männerchöre liegt ihm in jüngster Zeit besonders die Förderung des Nachwuchses am Herzen. So unterstützt er die Kampagne des Chorverbandes und möchte in Zukunft durch geschickte Programmwahl gerade bei den jüngeren Mitmenschen Interesse am Singen in der Chorgemeinschaft wecken.

Geschichte des Männerchores 1872 Birlinghoven e.V.

Vorwort

Eine bedeutungsvolle, wechselhafte Zeit und eine respektable Zeitdauer haben die Geschichte des Chores geschrieben und ihn geprägt. Immer wieder wurden schwere Zeiten durchstanden und immer wieder fand der Chor zurück zu hoher Leistungsbereitschaft und -fähigkeit. Die durchaus ernst gemeinte Frage nach seiner Existenzberechtigung - Erfüllung seiner Aufgabe gegenüber der Allgemeinheit - kann ruhigen Gewissens und mit erhobenem Haupt bejaht werden. Ob es die alten deutschen Volkslieder und volkstümliche Weisen oder moderne Chorsätze der heutigen Zeit sind: Nach wie vor stellt der Chor unter Beweis, dass es (auch heute noch) Männer gibt, die Freude am gemeinschaftlichen Gesang haben, wöchentlich proben und ihr Können einem großen Publikum präsentieren wollen.

1838 Der Beginn

Historisch exakt nachweisen lässt sich die Existenz des Chores ab dem Jahr 1872. Bereits seit längerem gibt es aber auch Hinweise darauf, dass der Chor sogar wesentlich älter ist, und die Anfänge bis in das Jahr 1838 zurückverfolgt werden können.

Das Dorf Birlinghoven war schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der glücklichen Lage, in der Person des Lehrers und Tondichters

Wilhelm Schrattenholz (geboren am 28. Juni 1815 in Birlinghoven)

einen tüchtigen Dirigenten in seinen Mauern zu beherbergen. Mit ihm begann um 1840 (zur gleichen Zeit erschienen seine ersten Lieder und Gedichte) eigentlich schon die Geschichte unseres Chores. Es ist in einigen Veröffentlichungen festgehalten, dass ab 1838 beginnend unter dem Komponisten und Tondichter Wilhelm Schrattenholz in Birlinghoven ein Männerverein bestand,
                       "der sich ausschließlich dem Gesang volkstümlicher Lieder ein- und mehrstimmig widmete".
Aus dieser Zeit sind nur wenige Dokumente vorhanden und die haben auch nur geringe Nachweiskraft. Der größte Teil an Büchern und Handschriften über den Gründer des Männervereins Birlinghoven befindet sich in den Archiven von Köln, Bonn und weiteren Städten.

Mit dem Jahr 1851 begann schließlich die große Zeit der Familie Boquoi. Viele Mitglieder dieser Familie waren über mehrere Jahrzehnte hinweg sowohl als Chorleiter wie auch als Präsident oder in anderen Vorstandsämtern tätig. In der Zeit von 1838 bis 1871 war überwiegend der Chorleiter zugleich Präsident des Vereins.

1871 Die neue Form

So wurde also schon früh in Birlinghoven Sangeslust und Freude am deutschen Volkslied gepflegt, das in der damaligen Zeit den besten Anklang fand. Auf dem so in vielen Jahren vorbereiteten Boden konnte sich ein fest geformter Männergesangverein entwickeln. Den Anstoß - so die Überlieferung - gab offenbar der Wunsch der aus dem Krieg 1870/71 unversehrt heimgekehrten Männer. Sie wollten als Dank, außer dem weltlichen Gesang zu frönen, die hl. Messen der kirchlichen Festtage durch Gesang verschönern.

In den Jahren 1871/72 fanden mehrere Versammlungen in der Gaststätte Kurscheid statt. Sie hatten das Ziel, neue Statuten zu verfassen und niederzuschreiben, sowie die Wahl eines Vorstandes in der vom Gesetzgeber geforderten Form vorzubereiten. Etwa 15 Männer kamen zusammen, als am

15. Februar 1872.

die neuen Statuten vorgestellt und verabschiedet sowie ein neuer Vorstand gewählt wurden. Neuer Vorsitzender Peter Blesgen, Präsident P.A. Boquoi. Chorleiter blieb weiterhin Gottfried Boquoi I. Generalversammlungen wurden in der Folgezeit jährlich mit Vorstandswahlen durchgeführt.

Ebenso wurde eine Fahne in Auftrag gegeben; fertig gestellt und eingeweiht 1874, geschmückt mit der Madonna in den Wolken von Engeln begleitet. (Zur Erinnerung: Im Jahre 1871 wurde in Birlinghoven zu Ehren Mariä Himmelfahrt eine Kapelle gebaut.) Diese Fahne ist noch im Besitz des Chores. Die Durchführung des ersten Stiftungsfestes wurde nach langer Vorbereitungszeit am 13. September 1874 beschlossen und am 27. September 1874 gefeiert.

1896  Der neue Name

Christian Kurscheid als Vorsitzendem und dem Chorleiter Josef Licharz ist es wohl zu verdanken, dass der Chor einen enormen Aufschwung nahm. Gute Ergebnisse auf den damaligen Sängerwettstreiten zeugen von verlässlicher, kontinuierlich aufbauender Arbeit. In ihre Amtszeit fiel auch das erste bedeutende Jubiläum, das erneut einschneidende Änderungen brachte. In Vorbereitung des 25-jährigen Bestehens kam man überein, die Statuten erneut zu überarbeiten und den bisherigen Namen "Männerverein" abzulegen. Ab jetzt lautete der neue Name

"Männergesangverein Eintracht Birlinghoven".

Beschlossen wurden die Änderungen in einer Generalversammlung am 6. September 1896. Das vorhandene Protokollbuch beginnt mit dieser Versammlung.

Eine weitere Fahne wurde im Jahr 1911 angeschafft, sie ist ebenfalls noch vorhanden. Weder dem Kassenbuch, noch dem Protokollbuch ist zu entnehmen, wie hoch der Preis für die Fahne war. Demnach hatte man einen Gönner gefunden oder sie wurde durch eine Haussammlung finanziert.

Ab dieser Zeit wurde fast jeden Monat eine Versammlung abgehalten, die alle in ihrer Niederschrift damit beginnen, dass zuerst der monatliche Beitrag eingeholt wurde. Dieses „Ritual" zieht sich durch bis etwa 1930. Einmal im Jahr wurde weiterhin satzungsgemäß eine Generalversammlung mit der Neuwahl des Vorstandes abgehalten. Die Probleme, einen Verein zu führen, waren in dieser Zeit sicherlich völlig anders als heute. Trotz zahlreicher Aktivitäten durch Konzerte, Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen waren die finanziellen Möglichkeiten sehr begrenzt. In dieser Zeit war es sicherlich von Vorteil, dass großzügige Besitzer von Schloß Birlinghoven alle Vereine innerhalb des Ortes immer wieder mit hohen Geldbeträgen unterstützten. Diese Beträge findet man über viele Jahre in allen Kassenbüchern.  Wenn man die Anzahl der aktiven Mitglieder mit denen von heute vergleicht, ist festzustellen, dass unter Berücksichtigung der damaligen Größe des Dorfes wesentlich mehr Männer bereit waren, in einem Chor zu singen. Der Zusammenhalt der Einwohner war trotz oder gerade wegen der sicherlich harten und schweren Arbeit weitaus stärker als heute. Sehr oft ist nachzulesen, dass die Proben und die Versammlungen von fast allen Mitgliedern besucht wurden. Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfe waren in dieser Zeit selbstverständliche Pflicht.   

In der Folge des ersten Weltkrieges hatte eine starke Änderung im Verhalten der Menschen eingesetzt. Dies machte es für alle Vorsitzenden, nachdem der Verein durch die Initiative des damaligen Präsidenten Peter Eich neu belebt worden war extrem schwierig. Als nicht gerade einem kontinuierlichen Wirken förderlich muss der in der 20er Jahren extrem häufige Wechsel sowohl von Vorsitzenden als auch von Chorleitern angesehen werden. Insofern kann man die in dieser Zeit bei Sängerwettstreiten errungenen Erfolge nicht genug würdigen. Alle Vorsitzenden in dieser Zeit haben immer wieder versucht, den Chor zu einigen und auf seine ihm gestellten Aufgaben hinzuführen. Sie waren nicht nur überzeugt davon, dass Einigkeit im Verein auch zu Einigkeit innerhalb des Dorfes führte, sondern sie handelten auch danach.

Als den berühmten Schritt nach vorne muss man zweifellos die zweite Amtszeit von

Musikdirektor Theodor Kurscheid

betrachten, einem Sohn des Dorfes. Eine systematische gesangliche Ausbildung, bereits in seiner ersten Amtszeit vor dem ersten Weltkrieg begonnen, ließen Leistung und Ansehen des Chores bald erheblich anwachsen.

Zu besonderer Geltung gelangten Chor und Dirigent mit der Darbietung eigener Kompositionen des Dirigenten. Theodor Kurscheid war weit über den Heimatkreis hinaus bekannt und bedeutende Männerchöre in rheinischen Großstädten begehrten ihn zu ihrem Dirigenten.

Anfang 1929 begann eine neue, lang anhaltende Ära. Der Chor wählte

Wilhelm Wessel

zu seinem neuen Chorleiter. Eine (unbeabsichtigt?) vorausschauende Entscheidung. Der aus Niederpleis stammende Wessel sollte in den kommenden 40 Jahren den Chor gesanglich führen.

Mit seiner großen Befähigung, einem kaum zu übertreffenden Idealismus und einer noch größeren Selbstlosigkeit hat Wilhelm Wessel den Chor in guten und weniger guten Zeiten von Erfolg zu Erfolg geführt. Er brachte es fertig, die durch die Schulung von Theodor Kurscheid geschaffene Ebene gesanglicher Befähigung durch intensive Probenarbeit nicht nur auf hohem Niveau zu halten, sondern noch darüber hinaus zu heben, so dass der Männergesangverein Eintracht Birlinghoven in weiten Sängerkreisen in bestem Ruf stand und auch heute noch steht.

Beste Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Chorleiter war die parallel verlaufene fast 30-jährige Amtszeit von

Karl Ziegenhohn sen.

als 1. Vorsitzender. Den erworbenen herausragenden gesanglichen Leistungen folgten fast zwangsläufig große Erfolge bei den Sängerwettbewerben, bei denen der Chor auftrat.

Im Jahr 1935 trat der Chor dem Deutschen Sängerbund (heute Deutscher Chorverband) bei.

Auch in den ersten Jahren des zweiten Weltkrieges war der Chor bemüht, mit den wenigen noch vorhandenen Sängern bei Goldhochzeiten oder anderen Veranstaltungen zu singen. Nach den unseligen Jahren der "Gleichschaltung" aller Vereine, verbunden mit dem Verlust des Rechts auf Selbstbestimmung wurde im August 1946 erstmals der Vorstand wieder frei gewählt und mit regelmäßigen Proben begonnen. Am 26. Dezember 1946 konnte wieder eine Andacht in der Birlinghovener Kapelle musikalisch begleitet werden.

Auch wenn viele Männer aus dem zweiten Weltkrieg nicht heimgekehrt waren, stieg die Zahl der Sänger sehr schnell wieder an. Viele junge Männer, sogar Jugendliche schlossen sich dem Chor an. Als im Jahr 1949 verspätet das 75-jährige Bestehen gefeiert werden konnte, gehörten dem Chor wieder 40 Sänger an.

Deshalb war es nicht verwunderlich, dass sich der Chorleiter wieder an die großen Aufgaben wagte. Schnell waren wieder Erfolge zu vermelden und der Aufstieg in eine höhere Klasse beschlossene Sache. Das Jahr 1954 brachte für den Chor den Höhepunkt. So wurde berichtet:

"Das Geschenk zu seinem 25-jährigen Dirigenten-Jubiläum machte sich der Chorleiter selbst. Auf dem Sängerwettstreit in Weißenthurm gelang ihm das, worauf er jahrelang hingearbeitet hatte. Drei 1. Preise, ein 2. Preis sowie der Dirigentenpreis waren der Lohn für intensives Proben. Auf den Schultern der Sänger wurde unser Chorleiter von der Bühne getragen. Herr Wessel hat viele Chöre dirigiert, doch hatte er mit uns die größten Erfolge."

Dasselbe Jahr markiert aber gleichzeitig auch einen allgemeinen Wendepunkt in der Entwicklung des Chorgesangs. Eine großartige Form der Motivation fiel weg: Die Durchführung von Sängerwettstreiten wurde in den darauf folgenden Jahren eingestellt. Zudem verlor unser Chor 1955 seine "Heimat". Die Gaststätte Meys wurde aufgegeben und das Gebäude, das jahrzehntelang unser Treffpunkt war, an die Firma Hennecke verkauft. Darüber hinaus setzte ein neuerlicher Wandel gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Denkens und Handelns ein, der auch vor Männerchören nicht halt machte. Ende der 50er Jahre war die Zahl der Sänger auf 20 geschrumpft.

1966  Neubeginn und neuer Name

Energisches Gegensteuern war geboten und wurde in Angriff genommen. Radikale Verjüngung des Vorstandes (von den älteren Sängern erfreulicher Weise mitgetragen) erfolgte in mehreren Schritten. Auf der Generalversammlung im Jahr 1968 wurde

Michael Schliefer

zum 1. Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt hat er bis heute inne. Gleichzeitig wurde beschlossen, den Vorstand künftig für 2 Jahre zu wählen. Durch diesen Schritt wurde die Hektik vergangener Jahre erheblich abgebaut.

Eine Ära begann, eine andere ging zu Ende: Unser langjähriger, verdienstvoller Chorleiter Wilhelm Wessel hatte krankheitsbedingt bereits etliche Proben absagen müssen und beendete im Fühjahr 1969 nach 40 Jahren im Dienst unseres Chores seine Tätigkeit. Als Dank für seine Arbeit wählte der Chor ihn zu seinem Ehrenchorleiter.

Nachdem beim ersten Auftritt mit unserem neuen Chorleiter Dieter Friedrich in Hangelar gerade einmal 17 Sänger mit ihm auf der Bühne standen, sah es nach intensiver Mitgliederwerbung 1972, im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Chores bereits wieder freundlicher aus.  In den darauffolgenden Jahren ist die Anzahl der Sänger stetig gewachsen, wenn diese Steigerung auch nicht annähernd Schritt halten konnte mit dem Anwachsen der Gesamt-Einwohnerzahl in Birlinghoven.

Auf der Jahreshauptversammlung am 8. Januar 1971 wurde eine erneute Namensänderung des Chores beschlossen. Aus dem Männergesangverein „Eintracht" Birlinghoven wurde der

Männerchor 1872 Birlinghoven.

Unter diesem Namen ist der Chor seit 1979 auch in das Vereinsregister beim Amtsgericht Siegburg eingetragen.

Seit 1973 dient eine würdige Stätte der öffentlichen Präsentation unseres gesanglichen Könnens. Seitdem findet jährlich im Mai ein Konzert im großen Saal von Schloß Birlinghoven statt. Ab 1997, dem Jahr des 125-jährigen Bestehens wurde daraus ein Doppelkonzert, um die große Nachfrage an Eintrittskarten befriedigen zu können. Dank eines guten Probenbesuchs und der gemeinsamen Anstrengungen von Sängern und Chorleitern konnten wir diese Konzerte immer auf einem hohen Niveau halten. Dafür sorgten als Chorleiter vor allem Edgar Brenner und seit 2003 Wolfram Kastorp.

Ebenfalls im Jahr 1973 fand die erste große Reise statt, damals nach Süddeutschland. Seitdem besuchen wir in Begleitung unserer Frauen alle 2 Jahre einen befreundeten Chor innerhalb Deutschlands.

Neben den Schloßkonzerten ist es uns eine Verpflichtung, dass sich der Chor innerhalb des Ortes auch zu anderen Anlässen in den Dienst der Gemeinschaft stellt. So organisierten wir viele Jahren -erstmals 1976- den Karnevalsumzug, singen in der Adventszeit in unserer Kapelle und im Altenheim Barhoff sowie bei Goldhochzeiten und -leider- auch bei Begräbnissen. Der Chor hat durch eine hohe Spende an die Stadt Sankt Augustin im Jahre 1973 den Anstoß für die jetzige Parkanlage mit dem Brunnen gegeben. Die Fertigstellung feiert der Chor seit 1976 jährlich vor den Sommerferien mit dem Brunnenfest. Fest im Terminkalender unserer treuen Konzert-Besucher ist natürlich das am 2. Advent stattfindende kirchliche Advents-Konzert in der Klosterkirche der Steyler Missionare in Sankt Augustin.

Seit dem 1. Juli 2002 hat der Chor nach mehrfachen Umzügen wieder eine Heimat. Nach jahrelanger Vorbereitungszeit hat Birlinghoven mit dem "Haus Lauterbach" endlich ein eigenes Bürgerhaus, in dem sowohl öffentliche Veranstaltungen, als auch größere private Feiern im Ort stattfinden können. Für die Verwaltung des Bürgerhauses ist seit Anbeginn der Chor zuständig. Am 5. Juni 2013 hat der Chor mit Unterstützung der Stadt Sankt Augustin und der Birlinghovener Bürgerinnen und Bürger das Haus käuflich erworben.

Die Zukunft

Es bleibt zu wünschen, dass das, was unsere Väter einmal begonnen haben, auch in Zukunft noch Bestand hat, und sich immer wieder vor allem junge Männer finden die bereit sind, in einer Gemeinschaft zu singen. Für unsere Heimat Birlinghoven wäre es sicherlich ein großer Gewinn.

Der klassische Chorgesang und mit ihm die herkömmlichen Chöre – vornehmlich die reinen Männerchöre mit ihrem klassischen Angebot – machen seit geraumer Zeit eine Talfahrt durch. Immer schneller fortschreitender Wandel in der persönlichen Wahrnehmung von Musik und ein immer breiter gefächertes Spektrum des Angebots nehmen keine Rücksicht auf das Festhalten am klassischen, volksliedähnlichen Chorgesang. Es bleibt nur der Weg, sich den geänderten Verhältnissen aktiv zu stellen und als Herausforderung anzunehmen.

Programmatischer Wandel ist das Schlüsselwort und eines der wichtigsten Gebote, setzt aber auch Kompromissbereitschaft aller aktiv Beteiligten voraus. Jede Generation möchte sich vorrangig in „ihrer“ Musik wiederfinden und ist eher bereit, sich darin zu betätigen. Doch bei allem Zwang gegenüber den zu vollziehenden Änderungen ist und bleibt ein Traditionsanker ruhender Pol bei aller Schnelllebigkeit. Das Erneuern des Repertoires ist abhängig von der angestrebten öffentlichen Wahrnehmung eines Chores, der ihm innewohnenden Kraft, eine neue Richtung einzuschlagen, und dem Erfolg, Nachwuchssänger für diesen neuen Weg zu begeistern und mitzunehmen.

Wir freuen uns auf Sie:

Sie kommen als Fremder, bleiben Sie als Freund!

 

 

Unsere bisherigen Vorsitzenden

 

von bis Name
1838 1850 Wilhelm Schrattenholz (zugleich Chorleiter)
1851 1860 Johann Peter Boquoi (zugleich Chorleiter)
1860 1871 P.A. Boquoi
1872 1880 Peter Blesgen, Präsident: P.A. Boquoi
1886 1907 Christian Kurscheid
1908 1910 Ferdinand Hausen
1910 1911 Th. Schrattenholz
1912 1913 Ferdinand Hausen
1914 Johann Müller
1919 1921 Peter Eich
1921 1922 Heinrich Weitz
1922 1923 Josef Limbach
1924 Wilhelm Steinhauer
1924 Wilhelm Meys
1925 1926 Valentin Boquoi
1927 Peter Ziegenhohn
1928 Friedrich Winkelhoch
1928 Valentin Boquoi
1928 1931 Willy Meys
1932 1933 Karl Ziegenhohn sen.
Aug. 1933 1934 (Gleichschaltung)Vereinsführer Wilhelm Steinhauer
Jan. 1935 Vereinsführer Johann Lütz
Febr. 1935 Vereinsführer Wilhelm Meys
Juni 1935 1956 Karl Ziegenhohn sen.
1957 1958 Wilhelm Frings
1959 1960 Karl Ziegenhohn sen.
1961 1965 Josef Eich
1966 1967 Erich Kutsche
1968 2019
Michael Schliefer
ab 2019   Siegfried Lütz
Anhänge:
Diese Datei herunterladen (Seltenes Jubiläum in Birlinghoven.pdf)Seltenes Jubiläum in Birlinghoven.pdf[ ]1005 KB%2016-%07-%29 %1:%Jul%+02:00

Aus Anlass unseres 140-jährigen Bestehens haben wir damit begonnen, unsere Internetseite zu erneuern. Künftig werden wir hier regelmäßig unsere Veranstaltungen ankündigen und über die Aktivitäten des Chors berichten.

Interessierte Chormitglieder können sich gerne hier registrieren und nach Erhalt eines Passwortes Zugang zu vereinsinternen Mitteilungen erhalten oder auch selbst Beiträge einreichen.

Unterkategorien

Veranstaltungen des MGV Birlinghoven

   
© Männerchor 1872 Birlinghoven e.V.